13.10.2009
Finanzausgleich - Morbi-RSA
birgt erhebliche Risiken für Krankenkassen
Nach aktuellen Auswertungen durch den BKK Landesverband Bayern birgt der morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) erhebliche Fehler bei der Diagnosezuordnung. Eine Analyse von rund neun Millionen anonymisierten Versichertendaten zeigte Mängel und systematische Verzerrungen infolge des Morbi-RSA auf. "Für die gesetzlichen Krankenkassen gehen damit erhebliche Finanzrisiken einher. Bei einem Finanzvolumen von 160 Milliarden Euro im Gesundheitsfonds sind diese Webfehler des Morbi-RSA für die Krankenkassen untragbar. Der Morbi-RSA in seiner jetzigen Form ist die Totgeburt der Gesetzlichen Krankenversicherung", stellt Werner Rychel, Vorstand des BKK Landesverbandes Bayern, fest.Beispielhaft nannte Rychel drei Problemfelder:
- Krankenkassen mit hohen Krankengeldausgaben werden im Gesundheitsfonds benachteiligt. Allein den Betriebskrankenkassen mit Sitz in Bayern gehen rund 40 Millionen Euro im Jahr durch diesen Systemfehler im Morbi-RSA verloren.
- Schwerwiegend lebenslange Erkrankungen werden nicht stringent dokumentiert. So sind etliche Krankheitsfälle von Multiple-Sklerose-Erkrankten nur für ein Jahr aufgeführt, obwohl diese Krankheit unheilbar ist.
- Bei Dialysepatienten stimmte die Codierpraxis der Ärzte nicht mit den Diagnosekriterien im Morbi-RSA überein. So wurden Dialysebehandlungen nicht als solche dokumentiert. Das Bundesversicherungsamt wird diesen einen Webfehler zwar korrigieren, allerdings bleiben die Probleme bei etlichen Diagnosegruppen weiter bestehen.
Problematisch ist nach Rychel die Schlüsselrolle der Ärzte in der Dokumentation von Krankheiten, weil hier enormes Fehlerpotenzial besteht.
Rychel appellierte an die Koalitionsrunde in Berlin, die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren. Sowohl der Gesundheitsfonds als auch die Verteilung der Gelder nach dem Morbi-RSA müsse zurückgenommen werden. Der enorme bürokratische Aufwand bei den Krankenkassen sei nicht mehr länger haltbar: "Gelder, die wir in die Verwaltung und Analyse stecken müssen gehen in der Versorgung verloren. Der Schätzerkreis hat für das nächste Jahr Finanzprobleme aller gesetzlichen Krankenkassen prognostiziert. Der Morbi-RSA schafft unnötige Kosten anstatt die knappen Mittel gerechter zu verteilen."


